Komponist, Kulturwissenschaftler und Kulturmanager

    Viele Wege führen zu einer Tätigkeit als Kulturmanager. Oft ist es der reine Zufall. 1987 bekam ich einen Anruf von Hermann Rauhe, dem damaligen Präsidenten der Hochschule für Musik und Theater, ob ich Interesse hätte, die Klassikabteilung in einem in Hamburg ansässigen Musikverlag zu übernehmen. Ein paar Jahre war ich kurz nach meiner Promotion  Dozent für Musikgeschichte geworden. Meine Lehrverpflichtung lag bei 2 Stunden in der Woche, also gab es genügend Spielraum, etwas Neues zu versuchen. Ich stelle mich vor, bekam den Job und war plötzlich Musikverleger. Niemals hätte ich geglaubt, dass ich 25 Jahre meines Lebens in der Musikindustrie verbringen würde, aber Kulturmanagement ist eine vielseitige und faszinierende Tätigkeit. Ich war rund um die Uhr damit beschäftigt, einen Betrieb im Fluss zu halten, der an der sensiblen Schnittstelle zwischen Kunst und Wirtschaft arbeitet. Ich lernte früh, dass der Autor das Wichtigste sei für einen Verlag. Ohne einen erfolgreichen Autor kein Geschäft. Aber wie, wann und wo findet man seinen solchen? Auf der anderen Seite stecken die verlegerischen Geschäftsmodelle voller Klippen und Tücken. Hier sind solide Kenntnisse im Urheberrecht, im Vertragsrecht und im GEMA-Verteilungsplan gefragt. Ja und dann sind da noch die Mitarbeiter, die geführt werden sollen. Ich lernte also meinen Beruf Schritt für Schritt durch learning by doing. Gerne hätte ich mich selber duch bessere Vorkenntnisse vor der einen oder anderen Fehleinschätzung bewahrt, aber damals gab es den Studiengang Kulturmanagement noch nicht. Der wurde an der Hochschule erst 1987 eingeführt. Aber meine vorhergehenden Studien waren auch sehr hilfreich. Wie soll man Musik beurteilen, ihre Qualität und ihr Entwicklungspotential, wenn man seine Ohren nicht jahrzehntelang trainiert hat?  Das Erfolgsgeheimnis des Kulturmanagers lautet: Innovation frühzeitig zu erkennen. Als die Beatles 1962 ein Demo-Tape mit ihren Songs der Firma DECCA schickten, lautete die Antwort des zuständigen Managers Dick Rowe: "Groups of guitars are on the way out". Brian Epstein, der legendäre Manager der Beatles war hartnäckig. Er wusste, Innovationen müssen sich erst einmal gegen Widerstände durchsetzen, bevor sie erfolgreich sind. Er glaubte an das kreative Entwicklungspotential der Gruppe und kämpfte unermüdlich, bis er schließlich bei EMI einen Schallplattenvertrag bekam. Der Rest der Geschichte ist weltweit bekannt, aber dass fast immer ein Kulturmanager an einer  künstlerischen Erfolgsstory mitgewirkt hat, bleibt der Öffentlichkeit meist verborgen. Es ist also ein Beruf für diskrete Menschen.